Dieter Wallach and Toni Steimle
Prof. Dr. Dieter Wallach Toni Steimle

Collaborative UX Design Workshops 1

Prof. Dr. Dieter Wallach Managing Director & Founder

Toni Steimle UX Director, Head of Site Zürich

25.03.2019 • Lesezeit: 6 Minuten

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel von Toni Steimle und Dieter Wallach erschien ursprünglich im Upload-Magazin und wurde von unserer Redaktion teilweise abgewandelt.

Die Ausgangssituation

Entwickelt ein Unternehmen ein neues Angebot oder Produkt, haben es die Verantwortlichen oft mit viel Zeitdruck zu tun und müssen Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen effizient führen. Fortlaufend komplexer werdende digitale Produkte sind in immer kürzerer Zeit zu konzipieren und umzusetzen. In diesem Artikel zeigen Toni Steimle und Dieter Wallach auf, wie Sie in ihrem Buch Collaborative UX Design in sieben Workshops zum Ziel kommen und dabei die User Experience stets im Blick behalten.

Photo: © Syda_Productions, depositphotos
Photo: © Syda_Productions, depositphotos

Ihr Vorgehensmodell orchestriert die Aktivitäten eines interdisziplinären Teams bei der kollaborativen Produktkonzeption. Collaborative UX Design ist in seinen Eckpfeilern auf Ansätzen des Design Thinking, Lean UX, Agile Development und menschzentrierten Gestaltungsmodellen gegründet.

Teil 1: Die sieben Workshops auf einen Blick

Der Prozess der Produktkonzeption beginnt mit einer Analyse der Ausgangssituation und des zu lösenden Problems: der Projektauftrag wird geklärt. Danach arbeitet das Team iterativ an der Lösungsfindung und erkundet hierbei verschiedene Konzeptvarianten. Anschließend definieren die Teammitglieder gemeinsam eine Roadmap zur Umsetzung des gefundenen Lösungskonzeptes.

Collaborative UX design Prozess von Toni Steimle und Dieter Wallach
Abbildung 1: Collaborative UX Design Prozess

Schauen wir uns die sieben Workshops etwas genauer an. Wir haben die Problemanalyse zum Beispiel in zwei Workshops unterteilt:

1. Scoping

Im Scoping Workshop schärfen die Teammitglieder gemeinsam mit der Auftraggeberin den Kern des Projektauftrags. Das Team arbeitet den Status Quo der Produkte von Marktbegleitern heraus und charakterisiert die Besonderheiten, Vorzüge und Nachteile dieser Lösungen. Ein wesentliches Ziel des Scoping-Workshops liegt darin, die hinter einem Auftrag liegenden, oft impliziten Annahmen aufzudecken und beispielsweise vorhandene Hypothesen über die Nutzer einer Applikation zu konkretisieren. Im Scoping-Workshop werden kritische Annahmen identifiziert und Forschungsmaßnahmen zu deren Überprüfung ausgewählt.

Nach dem Scoping-Workshop können die definierten Forschungsmaßnahmen in Angriff genommen werden: ein Arbeitsplan zur Vorbereitung des nächsten Workshops entsteht.

2. Inspiration und Synthese

Im Inspiration- & Synthese-Workshop werten die Mitglieder eines Teams die Ergebnisse der Forschungsaktivitäten aus. Dazu erstellen sie Beschreibungen bestehender Arbeitsabläufe und identifizieren Produktchancen zu deren Optimierung. Analysen im Inspiration &- Synthese-Workshop erlauben es, die Annahmen zu Nutzern zu überprüfen und unterstützen die Formulierung empirisch fundierter Personas als archetypisch modellierte Nutzervertreter. An diesem Punkt ist eine Reflexion des zuvor definierten Projektauftrags wichtig: Ist dieser mit dem neuen Wissensstand noch vereinbar oder sind Korrekturen notwendig? Oft ist es hilfreich, das Management in Inspiration- & Synthese-Workshops einzubinden.

Die beiden bisher skizzierten Workshops beschäftigen sich vor allem damit, ein umfassendes Problemverständnis zu erlangen: Es werden Hypothesen gebildet, Fakten gesammelt und Hypothesen validiert.

Die folgenden Workshops konzentrieren sich auf die Lösungsfindung.

3. Ideation

Im Ideation-Workshop sucht das Team nach Lösungsideen für identifizierte Produktchancen. Im Workshop kommen unterschiedliche Kreativmethoden zur wechselseitigen Inspiration der Teammitglieder zur Anwendung: Ziel des Workshops ist eine möglichst große Ideenvielfalt. Als Ergebnis des Ideation-Workshops entsteht ein priorisierter Ideenkatalog zur Produktgestaltung.

4. Konzept

Im Konzept-Workshop formen die Teilnehmer den zuvor erarbeiteten Ideenkatalog zu einem kohärenten Lösungskonzept. Sie entwickeln eine Vision möglicher Nutzungsszenarien und leiten auf dieser Grundlage ein Bild über zukünftige Funktionalitäten einer Lösung her. Im Konzept-Workshop entsteht eine erste, zunächst noch abstrakte Sicht auf das User Interface des zukünftigen Produktes. Dieses wird sukzessive konkretisiert, bis schließlich ein Konzeptvorschlag für das Produkt entsteht.

5. Prototyping

Hinter dem erarbeiteten Konzeptvorschlag verbergen sich erneut Annahmen: Annahmen zu Nutzerbedürfnissen und Annahmen zur Eignung bestimmter Lösungsansätze. Die Identifikation dieser Annahmen bildet den Gegenstand eines Prototyping-Workshops, der die Erstellung einer ersten interaktiv erlebbaren Version des Produktkonzeptes zum Ziel hat. Die Validierung des Prototyps steht im Mittelpunkt des nachfolgenden Validierungs-Workshops. Für diesen folgenden Workshop leiten die Teammitglieder im Prototyping-Workshop einen Validierungsplan ab, der beschreibt, welche Art eines Prototyps zur Validierung des Konzeptes geeignet ist. Anschließend beginnen sie damit, gemeinsam einen Prototyp auszuarbeiten. Ziel ist hierbei nicht, die Lösung zu spezifizieren, sondern vornehmlich die Konzeptüberprüfung vorzubereiten.

Nach dem Prototyping-Workshop wird der Prototyp finalisiert und getestet. Dann ist es möglich, Nutzer bei der Verwendung des Prototyps beobachten zu können, um deren Rückmeldungen in die Fortentwicklung erarbeiteter Konzepte einfließen zu lassen.

6. Validierung

Wie bereits angesprochen werten die Mitglieder die Ergebnisse dieser Beobachtungen im Validierungs-Workshop aus. Sie tragen die protokollierten Beobachtungen zusammen, kategorisieren und gewichten sie. Im Validierungs-Workshop nehmen sie dabei fortlaufend Bezug auf die ursprünglich definierten Annahmen und evaluieren, ob das entwickelte Konzept auf einem hinreichend belastbaren Fundament steht. Können sie diese Frage positiv beantworten, können sie das Konzept in einem ersten kleinen Release umsetzen und anschließend Marktfeedback erheben.

7. MVP

Im letzten Workshop — der MVP-Planung— erstellen die Teammitglieder eine Produkt-Roadmap. Ziel ist es, eine erste minimale Version eines überzeugenden Releases, ein Minimum Viable Product, festzulegen. Hierzu werden die relevanten Funktionalitäten eines Produktes im Team erneut priorisiert. Verschiedene Faktoren wie der erwartete Nutzen für Anwender und Kunden, der Beitrag zur Erreichung von Businesszielen oder die Kosten einer Umsetzung müssen die Mitglieder berücksichtigen. Die Roadmap wählen sie so, dass sie eine Formulierung überprüfbarer Hypothesen zulässt.

Im zweiten Teil des Artikels erfahren Sie mehr über die grundlegenden Prinzipien, die einen Workshop zum Erfolg führen, und lernen praxisorientierte Beispiele kennen.

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