Ergosign meets Bauhaus - Unsere Group Focus Time 2019
Ramona Rösch Christine Gottlieb

Ergosign meets Bauhaus

Ramona Rösch Senior Business Developer

Christine Gottlieb Head of Corporate Communication

6 Minuten Lesezeit

Das Bauhaus und sein Gründungsjubiläum wählten wir zum Thema für unsere diesjährige Group Focus Time. Das Jubiläum ist Anstoß von Debatten und wirft Fragen auf, welche Einflüsse das Bauhaus auf unsere heutige Designpraxis hat. Die Projektideen unserer Group Focus Time sollten deshalb als eigene Interpretation des Bauhaus entstehen.

Die Bauhaus-Idee lebt weiter

Zum Thema "Bauhaus - 100 Jahre" gibt es dieses Jahr zahlreiche Ausstellungen und die Bauhaus-Stiftung wie auch das Bauhaus-Archiv geben Einblick in die Designgeschichte dieser Zeit.
Einer der bedeutendsten Einflüsse des Bauhaus ist die Wirkung auf die heutige Ausbildung an Gestaltungshochschulen. Unsere Kollegin Ramona Rösch hat an der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim studiert. Eine der Hochschulen, die in dieser Form nur auf Grundlage der Vorleistung am Staatlichen Bauhaus denkbar ist. Viele Designhistoriker beteuern, das Bauhaus war die weltweit einflussreichste Design- und Kunsthochschule der Moderne.

Zwei Dinge waren komplett neu:

a) das offene, pädagogische Konzept mit Lehrlingen und Meistern statt Professoren und Studenten. Außerdem gab es Rituale, die die Anhänger einer Mischreligion (Masdasnan) mit bestimmten Atemtechniken und vegetarischem Lebensstil durchführten.

b) die international renommierte Lehrerschaft, wie z. B. Wassily Kandisky, Paul Klee, Oskar Schlemmer.

Das Bauhaus steht nicht nur für einen Stil

Eine allgemein gültige Definition von Bauhaus gibt es nicht. Das Bauhaus steht eher für eine Idee [1], nicht für einen bestimmten Stil. Es existierten darüber hinaus parallel mehrere Stilformen am Bauhaus. Das zeigt sich im Direktvergleich der Werke aus Malerei und Baukunst jener Zeit.
Die Geschichte des Bauhaus spiegelt die gesellschaftliche Veränderung des 20. Jahrhunderts wider. Das fundamental Neue am Bauhaus entstand auch, weil sich Architekten und Handwerker in Gruppen organisierten, die sich klar gegen den damals etablierten Historismus positionierten. Dazu zählen die Vereinigung Werkbund (1907) sowie die De Stijl-Bewegung (1917), beide vor der Gründung des Bauhaus in Weimar (1919). Der Leitgedanke dieser Gruppen war es neue Standardmuster festzulegen, die sich von den altbackenen Gestaltungsweisen abhoben. In der Zeit ab 1919 führte das Staatliche Bauhaus erstmalig als Hochschuleinrichtung das Wissen und Können in den Bereichen Kunst und Handwerk zusammen. Bis heute steht es für die Idee,
an einer besseren gesellschaftlichen Zukunft zu arbeiten.

Zukunft: wie ein „Bauhäusler“ gestalten

Ohne den Vorkurs von Johannes Itten, ohne die Gruppe der Wiener und Ungarn sowie ohne den niederländischen „De Stijl" und die Ideen der russischen Konstruktivisten wäre das Bauhaus wahrscheinlich nicht so lebendig gewesen (vgl. W. Herzogenrath). Ohne die Versuche und das Scheitern am Bauhaus wären auch wir als Gestalter heute anders vorgeprägt. Auf Grundlage der Inspiration durch das Bauhaus wollen wir zeigen, welche Einfälle wir haben und welche Entwürfe wir erstellen wollten, um der Idee des Bauhaus ein Denkmal zu setzen.

Im Rahmen unserer Group Focus Time sind dazu über 20 spannende und ausgefallene Projektideen entstanden.

Die Group Focus Time findet einmal im Jahr statt und geht über einen ganzen Arbeitstag. Der Ablauf ist ähnlich einem Barcamp. Projektideen werden vorgestellt, es bilden sich Teams und die besten Ergebnisse werden am Ende des Tags präsentiert. Die Kollaboration zwischen all unseren Standorten sowie das Teamwork sind wesentliche Voraussetzungen. Wir unterscheiden zwischen der Group Focus Time und der monatlichen Focus Time. Die Focus Time ist ein Freiraum, der jedem MitarbeiterIn im Rahmen von 4 Stunden pro Monat zusteht, um sich frei von Kundenprojekten mit einem fachlichen Thema auseinanderzusetzen.

Das Triadische Ballett

Unsere Münchner Chris, Oli und Stefan haben sich dem Triadischen Ballett von Oskar Schlemmer gewidmet und dieses neu interpretiert. Zu Ehren des 100jährigen Bauhaus-Jubiläums entstand ein 100 Sekunden-Video. Das Konzept der 3-fach Ordnung findet mit Raum, Form und Farbe seinen Anklang und wurde mit der passenden Musik von Ryoji Ikeda unterlegt.
Oskar wäre stolz auf Euch!

„(…) Das Triadische Ballett, das mit dem Heiteren kokettiert, ohne der Groteske zu verfallen, das Konventionelle streift, ohne mit dessen Niederungen zu buhlen, zuletzt Entmaterialisierung der Körper erstrebt, ohne sich okkultisch zu sanieren, soll die Anfänge zeigen, daraus sich ein deutsches Ballett entwickeln könnte, das in Stil und Eigenart so verankert wäre, um sich gegenüber vielleicht bewundernswerten, doch wesensfremden Analogien zu behaupten (schwedisches, russisches Ballett).“ – Oskar Schlemmer

Triadisches Ballett

Portraits à la Bauhaus

Denkt man an Bauhaus und Malerei, haben die meisten von uns vermutlich sofort Stilrichtungen wie den Kubismus, den Konstruktivismus oder den Neoplastizismus vor Augen. Das verbindende Gestaltungsprinzip dieser Kunststile ist die geometrisch-technische Darstellung. Besonders der Kubismus ist geprägt durch die Auflösung von organischen Formen in geometrische und der gleichzeitigen Mehransichtigkeit des Bildgegenstandes. Einen Schritt weiter geht der Neoplastizimus mit einer strengen Reduzierung der Bildsprache auf Linien und die Grundfarben.
Ein Selbstporträt aus Form und Farbe im Stil dieser Stilrichtungen zu erschaffen, hat sich ein Team zum Ziel für die Group Focus Time gesetzt. Über eine schrittweise Abstraktion des eigenen Konterfeis sind tolle Selbstporträts entstanden.

Beispiele für Portraits im Bauhaus-Stil
Beispiele für Portraits im Bauhaus-Stil

Möbelbau nach Mari

In einem digitalen Beruf lässt sich das eigene Arbeitsergebnis meist nicht in Händen halten. Ein Ergebnis zum Anfassen und sogar Daraufsitzen zu schaffen war das Ziel im Team der Möbel-Gruppe nach Enzo Mari. Der Italienische Designer und Objektkünstler veröffentlichte 1974 sein Buch „Autoprogettazione?“ mit 19 Möbelentwürfen zum Selbermachen und schuf damit einen Meilenstein der Designgeschichte.
Dank den erfolgreichen Schreinerarbeiten des Teams in Saarbrücken sind wir nun im stolzen Besitz eines Tisches mit vier Stühlen nach den Entwürfen von Mari für unsere Dachterrasse.

Möbelbau nach Enzo Mari

Living Dachterrasse - virtuell

Da jedoch die Dachterrasse des Office in Saarbrücken noch mehr Platz bereithält, hat sich ein weiteres Team Gedanken gemacht, wie für Schatten durch Begrünung gesorgt werden kann und welche weitere Sitzmöglichkeiten es geben könnte. Vor jeder erfolgreichen Umsetzung steht ein durchdachtes Konzept und eine überzeugende Präsentation.
Hierzu nutzte das Team seine beruflichen Skills und realisierte ein innovatives und sogar erlebbares Konzept mit einer VR-Brille und einem virtuellen 3D-Modell. Als Grundlage für das 3D-Modell diente der maßstabsgetreue Miniaturnachbau der Terrassenkonzeption. Hoffentlich können wir uns schon bald alle an der Umsetzung in Lebensgröße erfreuen.

Ausschnitt aus der Terrassenkonzeption
Ausschnitt aus der Terrassenkonzeption

Glass & Steel

Materialien und Produkthaptik spielen bei der Entwicklung von Prototypen eine große Rolle. Das Material hat Einfluss auf die Interaktion mit einem User Interface und kann auch Grenzen für die Umsetzung vorgeben.
Über die Verwendung von Glas- und Stahlflächen als Devices zur Unterstützung und Erweiterung der Realität (Augmented Reality) wurde im Projektteam „Glass & Steel“ nachgedacht. In einem konkreten Use Case entwickelten sie das Szenario, dass der Besuch einer Kollegin aus China ansteht. Auf ihrem Weg vom Hotel in unser Ergosign Office in München beschränkt sich die Navigation der Route dabei nicht nur auf ihr Smartphone. In Zukunft könnten ihr auch die Scheiben an Haltestellen oder in der S-Bahn helfen, um an wichtige Informationen zu ihrer Reise zu kommen. In einem Video veranschaulicht das Team plakativ ihre Überlegungen der Zukunftsvision für die Nutzung von Glas- und Stahlflächen.

Ausschnitt aus dem Video
Ausschnitt aus dem Video

Die vorgestellten Projekte und Ideen sind nur ein kleiner Auszug aus den vielen spannenden und innovativen Ideen, die während der Group Focus Time 2019 entstanden sind.

Wir bedanken uns bei allen für diesen aufregenden Tag!


  1. BUCH: ISBN-10: 3895814946, Hrsg. Alexander, Autor Wulf Herzogenrath, Titel: Das bauhaus gibt es nicht, 2019, 152 Seiten, S. 26.

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